Donnerstag, 18. Februar 2016

Maria Altmann, eine besondere Frau .....

.....oder, ein besonderes Vermächtnis!

Als ich vor ein bisserl mehr als zwei Monaten von meiner lieben Miss Voetjes bei der Pediküre sah's und wir uns über Filme unterhielten, erzählte sie mir von einen Film, von einem Gemälde, das in Wien hängt und sehr bekannt ist. Eine Frau hat Österreich verklagt um ihr Eigentum zurück zu bekommen, welches von den Nazi's gestohlen wurde. Sie erzählte so gefühlvoll von dem Film, konnte sich aber nicht an den Maler erinnern. Ein Bild in gold, eine Frau. "Du musst es kennen als Österreicherin, Alexandra!" Ich hatte keine Ahnung!

Eine Bildungslücke! Wahrscheinlich, oder nicht so bekannt! Oh, wie habe ich mich geirrt!

Ich kannte das Gemälde nicht unter den Namen "Lady in Gold", auch "Woman in Gold" sagte mir nichts. Doch Gustav Klimt's, Adele sagte mir schon etwas. Ich habe es als Jugendliche im Belvedere gesehen und hatte die besonderen Augen mehr in Erinnerung als das viele Gold. Obwohl ich die Farbe Gold liebe.

Am gleichen Abend fragte ich Mr. Google und schon wurde ich mit Informationen überschüttet. YouTube war ein guter Helfer und das Verlangen den Film zu sehen groß. Er hatte erst im Frühling/Sommer im Kino gespielt. Ja, es gibt eine DVD, "Woman in Gold". Unserer Bibliothek in der Stadt nachgefragt, ob sie den Film haben? Leider nein. Weihnachten habe ich ihn zufällig hier in einem Einkaufszentrum entdeckt und in Weihnachtspapier gepackt. Ich habe mich so auf den Film gefreut wie ein Kind. Endlich war es so weit und ich war gebannt. Musste ihn gleich nochmals sehen, den die Geschichte der Maria Altmann hat mich gefesselt. Sie erinnerte mich an eine Frau die ich sehr liebe, diese Art, dieses Sein, diese Ausdrucksweise, besonders Schön, witzig und elegant zugleich. Die Geschichte ließ mich nicht in Ruhe und ich sah Interviews die Maria Altmann gegeben hatte, vertiefte mich in die Materie. Und natürlich flackerte der Wunsch auf diese Frau kennenzulernen. Leider zu spät!

Diese Maria Altmann, geborene Bloch-Bauer, ist heute vor 98 Jahren 18. Februar 1916 in Wien geboren und am 7. Februar 2011 in Los Angeles verstorben. Sie ist sehr behütet in einer eleganten, finanziell abgesicherten Familie groß geworden. Ihre Tante, Adele Bloch-Bauer, pflegte es in den Salon zu laden, wo Künstler, Prominenz und Andere aus und ein gingen. Adele Bloch-Bauer ließ sich 1907 und 1912 von Gustav Klimt malen, ihr Mann gab die Bilder in Auftrag.  Maria Altmann ist die rechtmäßige Erbin dieser und anderer Bilder, welche 1938 von den Nazi's geraubt und später in der Österreichischen Galerie im Schloss Belvedere ausgestellt wurden. Im Jahr 2006, nach jahrelangem Rechtsstreit, wurden ihr die fünf Gemälde von Gustav Klimt aus dem Besitz ihres Onkels zurückgegeben. Adele Bloch-Bauer I ist die Monalisa Österreichs gewesen, die heute in der Neue Galerie in Manhattan, New York zu sehen ist. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich seit meiner Jugendzeit mit der Judenverfolgung, besonders mit der Wiener und ungarischen Judenverfolgung, beschäftige.  Ich habe unzählige Bücher gelesen, Ausstellungen besucht, bin selbst auf Suche gegangen für Andere und habe so einige besondere Menschen kennengelernt. In einer Synagoge in Szeged habe ich die Wurzeln zu meinen Gefühlen entdeckt und endlich begriffen. Oft habe ich ein wenig unverschämt nachgefragt, besonders als Jugendliche versucht zu begreifen, Warum? Eigentlich entgeht mir fast nichts, doch warum habe ich den Streit um Klimt's Adele nicht in Erinnerung. Anscheinend war ich sehr mit meiner Familie beschäftigt zu dieser Zeit. Ganz düster kommen wenige Erinnerungen hoch. Ich erinnere mich, dass es eine Einladung gab, sich von Adele zu verabschieden.

Selten habe ich einen Gesprächspartner über dieses Thema!

"Was sind Juden?", hab ich mich  als Kind gefragt und ist die "jüdische" Nase meiner Schwester eine Krankheit? Ich verstand das Gerede der Erwachsenen nicht als 5 Jährige. Warum darf ich mit den Kindern die jeden Freitag Nachmittag beim Spielplatz vorbeikommen nicht spielen? Wo gehen sie hin? Ich kann mich erinnern wie gerne ich mitgegangen wäre, zu gerne hätte ich gewusst wo sie hingehen. Nachdem wir aus dem Servitenviertel weggezogen sind ist auch dieses Bild verschwunden. Erst mehrere Jahre später, als ich mich 1988 der Judenverfolgung widmete begann ich zu verstehen und das Verlangen ließ mich bis heute nicht los. Ich bin später nach einigen Auslandsaufenthalten wieder ins Servitenviertel zurückgekehrt und habe das Bild des Freitag abends und Samstags genossen und mich daran erfreut. Ich vermisse es, mein Servitenviertel.

Was würde ich Maria Altmann fragen? Ich weiß es nicht! Ich hätte ihr gerne stundenlang zugehört. Von den wenigen Filmen die auf YouTube zu finden sind sehe ich sie als eine humorvolle, bemerkenswerte Frau. Mit viel Charme und einer eleganten Willenskraft. Es gab/gibt so viele tolle Frauen auf der Welt und sie ist eine davon.

Vor wenigen Tagen habe ich über Facebook einen Mann meines Alters angeschrieben, der die letzten 3 Jahre mit Maria verbracht hat. Ich hatte auf YouTube einen kleinen Film gesehen, der mich sehr berührt hat. Journey - A short film about Maria Altmann & Gregor Collins.

Meine liebste Aufzeichnung ist aber diese " Maria Altmann The Accidental Caregiver - Book Teaser"
Ich muss jedesmal Lachen, jedesmal! Und, ich bin jedesmal berührt über das Ungesprochene, doch Vorhandende.

Thanks Gregor, for sharing your thoughts and feelings in your book and in the film Journey.



Ps. Gestern war ich wieder in unserer Bibliothek und stellt Euch vor was ich gesehen habe? Der Film "Woman in Gold" wird als Mittagsmatinee gezeigt. Als ich Ende November in der Bibliothek war um mich über den Film zu erkundigen und ein wenig darüber erzählt habe, ließ man mich eine Karte ausfüllen, warum der Film für die Bieb gekauft werden sollte. Es hat funktioniert und eigentlich, obwohl ich den Film zu Hause habe, würde ich ihn doch gerne in diesem Ambiente sehen.


Kommentare:

  1. Liebe Alexandra, das ist ein sehr schöner Beitrag!

    Wir sind viel mehr als wir glauben, schon allein durch die Summe unserer Vorleben, die wir immer in uns tragen. Und manche Aspekte aus ihnen kommen von Zeit zu Zeit an die Oberfläche. So treffen auch Menschen aufeinander, die sich früher schon begegneten. Zum Glück, denn auf diese Weise haben sich unsere Wege gekreuzt und so habe ich einen wunderbaren Menschen, Dich, kennengelernt. Zu den tollen Frauen, die Du in Deinem Beitrag erwähnst, gehörst aber auch Du, davon konnte ich mich oft genug überzeugen! Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Liebe! Agnes

    AntwortenLöschen
  2. Alexandra! Thank you so much for including my time with Maria in your fascinating journey. I look forward to keeping in touch. Affectionately, GC.

    AntwortenLöschen