Dienstag, 27. Oktober 2020

60.560 Schritte ...

 


...41 km

In den letzten Wochen bin ich immer wieder einmal gewandert. Längere Strecken in meiner Umgebung, doch ich wollte mehr, sehr viel mehr. 

Ich würde gerne von Wien nach Mariazell wandern eine Stecke von 111 km, oder den Jakobsweg von Köln durch die Eifel nach Perl bzw. Schengen eine Strecke von 280 km. Von meinem jetzigen Wohnort Barsingerhorn in meine Heimatstadt Wien und natürlich den großen Jakobsweg.

Klein wollte ich beginnen und so hab ich mir die erste Strecke hier in den Niederlanden gesucht. Von meiner Haustür bis zur Haustür meiner Freundin an einem Tag. So mal ganz schnell, ich habe ja sonst nichts zu tun.

Mit dem richtigem Schuhwerk war ich nicht ausgestattet, das hat sich so leicht und schnell nicht gefunden und so mussten es meine Laufschuhe tun. Es ging, doch die guten Wanderschuhe möchte ich gerne zu Weihnachten! 

Letzten Samstag war der erste Tag an dem es nicht regnen sollte und somit  hatte ich den Tag im Auge. Meneer van Duin hat die Kinder übernommen und so konnte ich los.


Ausgestattet mit Rucksack, einigen Smoothies, Wasser, Äpfel und Banane, sowie einer Powerbank, Taschentücher und kleinem aber wichtigem Krimskrams ging es um 7:13 früh noch in totaler Dunkelheit aus dem Haus. Ich war so glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte alleine unterwegs zu sein und diese persönliche Herausforderung erleben zu können. Zu fühlen wie mein Körper damit umgeht, meine Gedanken zu hören und auf mein Gefühl zu achten. Ja, dass wollte ich!

Am Tag zuvor wurde mir noch zu einer App geraten die ich mir aufs Handy speicherte. Schnell war mein Weg bestimmt, den ich immer wieder ein bisserl geändert habe, weil ich natürlich auf der Strecke einiges sehen wollte, aber meine Wünsche brachten mich zu einer Strecke von 63km. Ein sehr unrealistischer Weg, wenn ich diesen an einem Tag schaffen möchte. Also wurde hier und da gekürzt und auf gings.


Die erste Strecke kannte ich schon, von meinen Wanderungen in den letzten Wochen, danach ging es mit der App weiter und promt hatte ich mich vergangen. Später sah ich aber, dass ich den angeratenen Weg eh' nicht gehen wollte, da der gatschig war und meine Schuhe waren neu gewaschen.

So ging es von Barsingerhorn über Haringhuizen nach Tolke. Tolke kannte ich noch nicht und ich war entzückt von manchen Häusern und einem kleinen Friedhof im Garten. Und, ich hatte schon wieder eine Markierung übersehen ging dann über Groenveld weiter nach Dirkshorn. ich beschloss die WanderApp immer an zu haben und in regelmäßigen kurzen Abständen nachzuschauen, ob ich noch am rechten Weg bin. Ein komisches Gefühl kann ich nur sagen. So bin ich noch nie gewandert, aber sehr, sehr hilfreich und auch manchmal verwirrend, bzw. irreführend. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen, doch das hat nicht viel ausgemacht, denn ich hatte die richtige Jacke für den Tag gewählt. 


Der Weg durch den Holle Bolle Boom Park, ein Freizeitpark mit Bungalows zum Verbleib, hat mich nicht weiter gebracht sondern nur aufgehalten, das Tor, welches offen sein sollte war versperrt und nach einiger Zeit der Suche nach einem anderen Weg musste ich Umkehren, etwas, was ich noch einige male erlebt habe. Ich persönlich mag das Umkehren nicht, doch weiß ich aus Erfahrung, dass es leichter ist wenn man es mit einem Lächeln macht. 


Wieder auf dem richtigen Weg ging es über Kalverdijk nach Tuitjenhorn. Dazwischen hatte ich 2 herrliche kleine Äpfel vernascht, die auf dem Weg lagen und eine "kalte" Maroni. In Tuitjenhorn beschloss ich meinen Weg ein wenig abzukürzen, da ich fast eine dreiviertel Stunde mit suchen und umkehren verbracht habe. Auch hier habe ich einige nette Häuser und Gärten gesehen. Ideen gesammelt und immer wieder sind mir Lieder von früher eingefallen, die mein Vater mit mir sang wenn wir auf den Wiener-Hausbergen unterwegs waren. So trällerte ich das eine und andere Lied vor mich hin und genoss den Weg und die Sonne, die, nach einem Nieselregen, von Himmel zögernd lachte.


Ein schnelles Foto mit der Ortstafel Warmenhuizen und als ich den Fuß wieder auf den Weg setzte kam mir auf dem Fahrrad eine frühere Lehrerin von Vienne entgegen und grüßte mich. Wie schön, dass man sogar auf unbekannten Wegen bekannte Gesichter trifft. Warmenhuizen ist wunderschön. So eine schöne Innenstadt die ich schon kannte weil eine liebe Freundin dort wohnt. Ganz kurz hab ich daran gedacht, sie überraschend zu besuchen, doch ich wollte keine Zeit verlieren und bin weitergewandert. Habe wieder einmal einen gatschigen Weg ausgelassen und bin durch das Industriegebiet nach Schoorldam gegangen. Das war gar nicht nett es windete heftig und das mag ich gar nicht, noch dazu gab es nicht viel zu sehen.Die Belohnung kam als ich über die Schoorldammerbrug ging und kurz darauf im Bosje van Schermer landete. Da begann mein Weg im Wald. Herrlich diese vielen Bäume im herbstlichem Kleid. Ein Traum! Von da an war ich einige Stunden im Wald unterwegs.


Angekommen im Wald van Schermer wollte ich wissen, wie weit ich den schon gegangen bin. Um 13 Uhr zeigte meine Uhr 21 km an und 30.646 Schritte. Da dachte ich zum ersten mal, "Gut gemacht Alexandra, gut gemacht!" meine Füße taten schon ein wenig weh, doch strahlend ging ich weiter, ich war so cirka auf der Hälte. Ich, meine Gedanken und der herrliche Wald. Immer wieder habe ich Meneer van Duin altmodischer Weise SMS Berichte geschickt, damit er ja weiß, wo ich so bin und es mir gut geht.


Im Wald und Dünen Gebiet von Schoorl, hab ich mich nicht nur einmal verlaufen und immer wieder musste ich umkehren. Wenn diese Umkehren nicht wäre, doch zügig war ich immer wieder am rechtem Weg oder habe Alternatieven gefunden. Diese Waldgebiet ist herrlich schön und groß, sehr groß. In Erinnerung bleibt mir der Schlangenweg, denn da bin ich immer wieder d'rübergestopltert. Es gibt sogar eine Ski Schule. Kurz habe ich den niederländischen Kindern beim Skifahren zugeschaut und war verwundert. Meine Erinnerungen an das Skifahren kamen hoch. Der kalte Februarwind, die warmen Sonnenstrahlen, wenn man so hoch oben ist und der knirschende, weiße Schnee. Das waren schöne Winterurlaube. Da ich aber ein kleiner Angsthase bin und eher die leichten Pisten mag, war das Langlaufen eine andere schöne Winterbeschäftigung und manchmal auch in Wien möglich. Oh, wie bezaubernd war es durch eine herrliche Winterlandschaft und mit Schnee bezuckernden Wälder zu laufen.


Und schon sah ich das Schild Bergen. In Bergen ging es weiter durch den Wald und langsam wurde ich ein wenig nervös, denn mein Handy zeigte nur mehr 15% an. Die Powerbank wurde angeschlossen und ich lief weiter. Doch nach kurzer Zeit laden, war das Ladesignal nicht mehr zu sehen und ich versuchte mir die Zahlen der verschiedenen Wege einzuprägen. Zahlen und ich, leider keine gute Partnerschaft. Auf einmal war alles schwarz und mit einem Pipser verabschiedete sich mein Handy von mir. Was jetzt?


Es gab immer wieder vereinzelt Häuser im Wald, doch kann ich so einfach anklopfen und sagen: "Entschuldigung Sie bitte, haben sie mal eine Steckdose für mich?" In dem halben Lockdown indem sich die Niederlande im Moment befindet sind keine Restaurant's, Cafe's etc. geöffnet und somit ist alles ein wenig schwieriger als sonst. Eines wusste ich, ich muss aus dem Wald. Denn die Zahlen die ich mir gemerkte, habe ich auch nicht mehr gesehen und so war ich sicher ich bin vom rechtem Weg abgekommen. In der Stille hört es sich gut und leise hörte ich Autos zu meiner Linken. Also war das die richtige Richtung!


Nachdem ich die Straße erreicht hatte und diese entlang ging sah ich ein großes Schild mit einer Kuh darauf, "Kaasboerderij" stand da drauf und dort ging ich hin. Franschman Kaasboerderij, de Kaaswinkel Herenweg 5 in Bergen, diese Adresse werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Ich ging hinein und fragte ob ich mein Handy laden darf. Überraschenderweise wurde gleich JA gesagt. Mit einer Sauermilch, und einem erleichtertem Herzen wartet auf einem Bankerl vorm Käseladen, bis ich weiter konnte. Die erste richtige Pause. Meine unterwegs gesammelten Schätze, Blumen und Blätter, legte ich in mein Tagebuch und schrieb so einiges von meiner Wanderung schon mal nieder und noch etwas tolles, ich durfte die Toilette benutzen, was für eine Erleichterung. 


Mit halbaufgeladenem Handy ging es weiter, doch musste ich meine Route ändern, denn es sollte schon bald dunkel werden. Im Dünengebiet im dunkeln das wollte ich nun wirklich nicht, also musste ich mich mit der Straße begnügen und diese Entscheidung war eine Gute. Meine Beine und unterer Rücken machten sich schon langsam bemerkbar. Ich hatte noch ca. 13 km vor mir und war müde. Eigentlich hätte ich aufgeben können, aber "aufgeben tut man nur einen Brief!"


Somit ging es auf dem Fahrradweg durch die Orte Het Woud, mit einem Restaurant, dass mich sofort angesprochen hat. Natürlich war es geschlossen, aber da möchte ich gerne mal mit meiner Familie Essen gehen. Danach ging es durch Wimmenum, Egmond aan den Hoef, da hätte ich gerne die Wasserschlossruine gesehen doch es war zu dunkel. Rinnegom und Egmond Binnen da verlies ich für einige Zeit den Radweg und ging durch die Stadt. Schaute in so manche Häuser,  sah die Zuhause gebliebenen kochen, essen und spielen und natürlich ganz typisch fernsehen. Ein älterer Herr, mit Brille und halber Glatze, sahs auf einem alten Ohrensessel in seiner Wohnzimmer-Bibliothek und las.

Nach Egmond Binnen wurde es wirklich schwer. Nach einem kurzem Telefonat mit meiner jüngsten Tochter die mir von ihrem Tag erzählte und den Eindrücken des Familienlebens durchs Fenster. Spürte ich so richtig wie mir alles weh tat, ich hatte schon großen Appetit und die Dunkelheit machte das Gehen nicht mehr attraktiv. Es war schon spät, ich hatte keinen Proviant mehr und mir wurde langsam kalt. Meine Knie taten nun auch weh und der Rucksack wurde immer schwerer. Es war Zeit anzukommen!


Die letzte Stunde war die schwerste von allen. So alleine in der Dunkelheit wandernd war nicht lustig und sehen wollte ich auch nichts mehr. Wie froh war ich als ich endlich das Ortsschild Bakkum sah. Die Strecke die ich mit dem Auto nur allzu gut kenne wurde immer länger, obwohl sie kurz ist. Dann nach ewigen Minuten kam ich endlich in Castricum an. Ich habe es geschafft, nur mehr über den Bahnübergang, hinten rum' einen kleinen Weg den ich kenne und schon war ich in der richtigen Straße, die an den Goldregen erinnert.


Ich habe es geschafft!

Ich strahlte von einem Ohr zum anderen alles war für einen kurzen Moment vergessen und ich spürte nur mehr die große Freude in mir. Ich habe es geschafft!

Von meiner Haustür bis zur Haustür meiner Freundin und das in 60.560 Schritten, ein bisserl mehr als 13 Stunden und 41 km. 20:26 Uhr.

Verwöhnt wurde ich mit einem leckerem Fisch und Gemüse und  konnte es gar nicht glauben und hab immer wieder gedacht "Ich habe es geschafft!"

Meneer van Duin und meine beiden jüngsten Kinder kamen ein bisserl später, um mich nach Hause zu bringen, denn zu Fuß wollte ich nicht mehr gehen!

Welche Strecke nehme ich mir als Nächstes vor? 

Und welche Wanderschuhe werde ich mir zulegen? Denn in Laufschuhen werde ich bestimmt nicht mehr so eine lange Strecke gehen.

Ich habe es geschafft und auch jetzt gerade lächle ich und bin sehr, sehr glücklich. Manche Muskeln schmerzen ein wenig und wenn ich aufstehe braucht es ein bisserl, aber das war es Wert.

Ich habe es geschafft!

Mittwoch, 16. September 2020

Erinnerungen an ...

 ... vergangene Sommertage!

Die letzten paar Tage war es recht heiß hier in den Niederlanden. Überall spinnt das Wetter ein wenig, doch gegen Sonne und Hitze hab’ ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil, für mich kann es nicht warm genug sein.

Meine Füße bade ich in einer wunderschönen Waschschüssel der vergangenen Tage, ein Nachlass meiner Schwiegermutter, die vor 2 Jahren verstorben ist. Ihr haben wir es zu verdanken, dass wir hier in ihrem Haus und Garten leben dürfen. Der Garten hat etwas Magisches, das rauschen der Baumwipfeln die sich im Wind bewegen, das plätschern der Enten im Wasser. Immer wieder gibt es Schatten und Sonne zu suchen und finden.

Die Waschschüssel hat Erinnerungen in mir geweckt von wunderschönen Sommerferien in der Vojvodina im heutigen Serbien. Das Elternhaus meiner Mutter steht in Becej in der Vojvodina und fast jeden Sommer verbrachten wir dort 3-4 Wochen.  In der Vojvodina lebten und leben heute auch Menschen mit ungarischen Wurzeln. Meine Mutter stammt aus so einer Familie.

Ich liebe den Klang der Sprache, das Essen und dieses Aufbrausende, dass aber sehr schnell wieder vorüber ist, wie ein kurzer Wirbelsturm. Es wird geküsst, geherzt, bekocht und viel geredet, hart gearbeitet und scharf gegessen. Kinder werden auf eine ganz andere Art und Weise verhätschelt und getadelt zugleich. Manieren sind wichtig und werden äußerst gern gesehen und auch belohnt. Ich liebte diese Sommerferien sehr, obwohl ich der Sprache nicht wirklich mächtig war und bin, doch manchmal braucht man gar keine Sprache, wenn man so sehr spürt, dass man gut ist so wie man ist.

Meine Großmutter wohnte in einem großem altem Lehmhaus. Von aussen war das nich zu sehen, erst wenn man durch die Tür in den Vorraum ging, merkte ich jedesmal wie angenehm kühl es im Haus war und wie dick die Wände waren. Sehr dicke Wände Aus Lehm und Stroh, sehr fein verputzt, die mit einem Muster bemalt waren . Außen war das Haus weiss gestrichen. Aber um zur Eingangstür zu kommen musste man erst durch ein großes Tor gehen und wurde von Rosen begrüßt, die an der Veranda entlang wuchsen. Meine Großmutter hatte 2 Küchen. Eine im Haus, doch da hab ich sie nie kochen gesehen und eine Sommerküche auf der Veranda. Hier wurde immer gekocht, egal wie heiß es war. Sie konnte sehr gut kochen und obwohl für mich alles gut war und immer ein wenig salzarm, aber gut, war es doch anders. Denn meine Mutter schlachtete keine Ente im 3. Wienergemeindebezirk für unser Mittagessen und frisches Brot vom Bäcker um die Ecke kam auch nicht jeden Tag auf den Tisch. Die frischen saftigen Paradeiser und Paprika, Eier und Schinken und noch vieles mehr, gab es auch nicht. Mit nacktem Kukuruz und Papier wurde Das Feuer im Herd entzündet und schon brodeltet Wasser vom Brunnen, welcher vor der Kirche, die zwei Straßen entfernt stand. Gelbes Wasser, so wird dort das Schwefelwasserstoff genannt mit dem man kocht und sich wäscht. 

Es gab kein Badezimmer im Haus, obwohl es groß war. Gewaschen hat sich jeder in einem Zimmer, dass sonst nicht benützt wurde. Ich glaube es war mal ein Wohnzimmer, doch wir haben uns dort nie aufgehalten. Es hatte zugedeckte schwere Möbelstücke und einen großen Spiegel. Das Leben spielte damals draußen. Auf der Veranda, im Garten oder auf der Straße. Abends sah’s man vor dem Haus und unterhielt sich mit den Nachbarn, die Männer pokerten manchmal und hatten wichtige, oder unwichtige Gespräche. Schuhe trug ich meistens nicht, doch waren meine Fuße immer sauber. Komisch, aber so war es damals.

Abends wusch man sich in einer Waschschüssel. Die Waschschüssel meiner Großmutter war nicht aus Keramik und hatte auch keine Bemalung, sondern sie war aus Emaille, alt und rot. Zuerst Hände und Gesicht, dann den Rest des Körpers mit einem Waschlappen und zum Schluss durften die Füße ins Wasser. Gut riechend und sauber stieg in dann  in mein Bett, welches eine Matratze aus Rosshaaren hatte. Einen großen Polster gefüllt mit Daunen und eine dicke Tuchent. Wenn man nachts aus dem Bett musste wurde es spannende. Da ich natürlich jeden Tag viel zu viel Wassermelone aß, lag eine kleine Nachtwanderung vor mir. Denn so wie es kein Badezimmer im Haus gab, so war auch die Toilette nicht zu finden. Natürlich gab es eine, aber die war draußen, ein  altes Plumpsklo mit sechs-beinigen Bewohnern und Unmengen an kleinen fliegenden Tierchen. 

Also zog ich mir irgendwelche Stiefel an, die vor dem Haus standen, und machte mich auf dem Weg. Zuerst bei den alten Pferdeställen vorbei, oder waren die Schweine dort früher zu Hause, ich weiß es nicht mehr. Auf jedem Fall mussten immer alle Gartentore geschlossen werden. Meistens war der Mond so hell, dass man keine Taschenlampe brauchte. Besonders, wenn man den Bereich der Hühner durchquerte, war Vorsicht geboten. Der Hahn des Hauses war sehr „Wanden-gesinnt“und nicht nur einmal hatte ich seinen scharfen Schnabel in meiner Wade. Somit hatte ich immer gerne die Gesellschaft eines Besens aus Reisig am Tag und auch in der Nacht dabei. Nach den Hühnern kamen die Enten und danach der Obstgarten. Dort stand das Plumpsklo, mit seinem ganz eigenen menschlichem Parfüm. Natürlich gab es kein Licht, somit blieb die Tür offen und meistens summte ich irgendeine Melodie, um mich von den Spinnen abzulenken. Wäre ich weiter gegangen, wäre ich im Gemüsegarten gelandet, wo auch Blumen wuchsen und ganz hinten war der Kompost. Auf der ganzen Länge gab es auf der anderen Seite eine große Scheune wo Heu und Kukuruz gelagert wurden.

Ganz ehrlich, meistens war mir der Weg viel zu lange und aufregend. Meine Mutter wollte ich auch nicht immer aufwecken, somit half ich den Rosen beim wachsen.

Ein oder zwei mal in der Woche kam eine Pferdewagen mit Wassermelonen. Der Mann schrie schon von Weiten und mit seinen lückenhaften Lächeln bot er allen seine Melonen an und eine Kostprobe, gehörte dazu. Es wurde ein  kleines Dreieck in die Melone geschnitten, dieses wurde einem aufgespießt auf einem scharfen Messer zum abbeißen hingehalten. Schmeckte einem die Melone wurde sie abgewogen und zu einem geringen Preis verkauft. Wenn ich den Melonenverkäufer schon von der Weite hörte, war ich vorm Tor und bereit. Das war mein liebstes Essen im Sommer. Wassermelone, ungarisches weißes Brot und Kipferl mit Streichkäse. Natürlich die Sonnenblumenkerne nicht zu vergessen. Die man in den Mund steckt mit der Zunge und den Zähnen teilt, den Kern isst und den Rest ausspuckt. Zum Schluss wird alles Ausgespuckte mit dem Besen aufgekehrt, den alles muss seine Ordnung haben.

Lange Spaziergänge war unser Sport jeden Tag. Becej ist nicht klein und natürlich haben wir alle Verwandten besucht. Wurden mit feuchten Küssen und Tränen begrüßt und wieder verabschiedet. Alle waren glücklich, dass ein Wiedersehen möglich war. Die Kinder spielten auf der Straße verstecken, oder machten irgendwelche Mutproben und die Erwachsenen unterhielten sich. Immer gab es Essen und es war eine Unart nicht zu essen. Meine Mutter nahm immer an Gewicht zu in diesen Wochen, doch so glücklich wie damals bei ihrer Familie habe ich sie selten gesehen. Es wurde geredet, gestritten, gelacht und geweint. Ist man nicht einer Meinung ist das auch egal, wenn man auseinander geht wünscht man sich ein gutes, gesundes Leben und noch ein Wiedersehen.

Auch zum Schwimmen gingen wir zu Fuß. Das war ein langer, langer Weg von so glaube ich einer Stunde. Oder zumindest Kinderfüße gefragt, eine halbe Ewigkeit. Auch ganz anders als in Wien. Manche der Bassins waren mit Schwefelwasser gefüllt und das war angenehm warm und es roch nach verfaulten Eiern. Das tolle daran war, jeder Schiefer den ich mir einzog oder jede andere Wunde die ich hatte waren in wenigen Tagen verschwunden. Schiefer arbeiteten sich ganz einfach heraus und meine aufgeschlagenen Knie oder Ellbogen waren in null komma nix verheilt.

1x die Woche gingen wir in ein Badehaus um zu Baden. Ein absoluter Luxus, denn eine Badewanne hatten wir nicht in unserem Gemeindebau aus den 50ziger Jahren. Somit war ich immer sehr überzeugend, dass ich allein baden muss, weil ich mich so am Besten waschen konnte. Erst viel später erkannte ich wie egoistisch ich doch war. Meine Anyukam badete mit meiner Schwester, doch nicht für lange, denn als ich so richtig am genießen war teilte auch in meine Wanne.

Zur Krönung unseres Urlaubs gingen wir einmal groß aus Essen, aber nicht nur Essen, es war immer ein absolutes Erlebnis einen richtigen ungarischen Mulatschag mitzuerleben. Herrliches Essen, Musik und natürlich nicht das Czardas-tanzen vergessen. Der Abend dauerte immer lang, ein absolutes Fest der Ausgelassenheit.

Die Abschiede waren schwer und geteilt von einer Vorfreude wieder in unser „normales Leben“ zu fahren. 

Noch heute sehne ich mich nach den Menschen von damals die schon lange nicht mehr sind. Wenn ich irgendwo Eine ungarische Unterhaltung aufschnappe, macht mein Herz einen kleinen Sprung und ein Lächeln huscht über mein Gesicht. 

Diese Waschschüssel und Kanne wecken jedesmal Erinnerungen und im Sommer im Garten zu sitzen und meine Füße zu kühlen ist ein wunderbarer Zeitvertreib.


Freitag, 11. September 2020

Fortsetzung - Es geht mir ...

... noch immer G U T !

Das Leben ist so schön! 

Jeden Moment genießen, jeden Moment!

Mein Sohn und ich am Abend vor seiner Heimreise nach Wien! Meine Kieferoperation ist erst ein paar Tage her gewesen. Keine Schwellung zu sehen, keine blaue Flecken und ich kann lächeln. Natürlich hatte ich schmerzen und manchmal war es nicht auszuhalten, aber nicht für lange. Ich fühlte mich viel besser als jemals zuvor nach einer Kieferoperation. Woran kann das wohl liegen?

Am letzten Donnerstagabend im August, war es soweit. Ich hatte mich die Woche zuvor innerlich mit einer Leberreinigung und Ruhe auf den ganzen Prozess vorbereitet und fühlte mich gut. Es war eine herrliche Erfahrung und ganz anders.

Den Luxus einen Termin am Abend zu bekommen hatte ich noch nicht, normalerweise, wird einem der Termin gegeben und der Patient richtet sich danach. Den Tag zuvor bin ich schon ein wenig nervös geworden und die Nacht war recht kurz. Meistens treiben mich meine Schmerzen schon recht früh aus dem Bett und dann arbeite ich in meinem Atelier an Aufträgen, Liegengebliebenen und Neuem, bis es Zeit ist die Kinder zu wecken und den ganz normalen Alltag zu beginnen.

Am Tag der Operation, war ich nicht mehr sehr ruhig, dass heißt von außen schon, aber innerlich wurdelte es gewaltig. Zum Glück war mein älterster Sohn da und wir hatten einen herrlichen Tag zusammen.

Am frühen Abend machten Meneer van Duin und ich uns auf den Weg. Eine kurze Fahrt und schon waren wir da. Wurden erwartet und alles nahm seinen Lauf.

Der Eingriff wurde nochmals ins Detail besprochen und nachdem man mich 2x bat Platz zu nehmen stand ich noch immer. "Möchten sie ihren Mann dabei haben?" fragte eine lächelnde Assistentin. Ich dachte ich höre nicht recht. Meneer van Duin antwortete für mich, weil ich kein Wort heraus brachte. Meine Gedanken schwirrten und Erinnerungen kamen hoch, das ich so oft im Krankenhaus nachgefragt habe, ob mein Mann nicht bleiben darf, doch natürlich ist das in einem Krankenhaus nicht möglich. Meneer van Duin, hatte aber keine Ahnung und sagte, "Ich glaube, das wäre ihr nicht recht." Und schon war ich wieder da und sagte, "Doch, doch, dass möchte ich!" Somit wurde er auf seinen Platz verwiesen in der Ecke des Raumes auf einen Stuhl und es wurde ihm Kaffee serviert, unbeschreiblich. Der Duft vom Kaffee hing im Raum und war irgendwie angenehm. Gesehen habe ich ihn nicht, doch allein das Wissen, dass er in meiner Nähe ist, war genug.

"Was für einen Musik dürfen wir spielen?" Meneer van Duin, rief aus seiner Ecke mit einem Lächeln "Heavy Metal!" Nein, nein dachte ich mir, das halt ich nicht aus! "Da ich die Patientin bin, entscheide ich!" Bitte Anna Netrebko." Von einer der Assistentinnen kam ein, "Wer!" "Anna Netrebko, bitte" Nachdem ich den Namen buchstabierte war auf Spotify einiges gefunden. Ich entschied mich für das Album Souvenirs. Meneer van Duin hat es mir noch zu Wienerzeiten als Geschenk gemacht. Wann immer ich in Wien bin und die Möglichkeit habe Anna zu hören, bin ich hin und weg. Mit diesem Album verbindet mich der Beginn einer Liebe, Wien und meine Liebe zur Musik. Während dem Eingriff, bin ich im Gedanken in mein Servitenviertel spaziert, über die Wipplingerstraße auf den Hohenmarkt, die Rotenturmstraße hinauf zum Stephansplatz, danach über den Graben geschlendert, am Kohlmarkt abgebogen zum Michaelerplatz, durch die Hofburg und vom Heldenplatz nach rechts abgebogen in den Volksgarten zu meinem Lieblingsplatz dem Kaiser Elisabeth Denkmal. Die Gedanken sind frei und somit nahm ich das Tor am nächstem zum Burgtheater, wanderte durch den Rathausplatz, dachte an all die Musik die im Sommer durch die Nacht dringt, den Geruch der kulinarischen Küche und im Winter an den Christkindlmarkt und natürlich nicht zu vergessen mein geliebtes Eislaufen am Eislauftraum. schnellen Schrittes über die Reichsratsstraße an der Universität vorbei, wo ich stundenlang Zeit in der Bibliothek verbrachte, ging es zur Votivkirche, die Währingerstraße überqueren, in die Hörlgasse, ein bisserl Wasagasse und schon war ich in meiner geliebten Türkenstraße. Durch die Musik war ich auch immer wieder in der Staatsoper und am Franziskanerplatz. So machte ich meine Runden, langsam und ohne zu laufen.

Meine größte Angst bei all den Operationen war für mich, dass mein Gesicht zugedeckt wird. Über meine Augen werden Tücher gelegt und manchmal wurde auch ein kleiner Sack, gefüllt mit etwas schwerem, daraufgelegt. Über mein Oberkörper wurde ein Gurt gelegt, der nicht fest angezogen war, doch umfasste er meine Arme und meine Bewegungsfreiheit war eingeschränkt, was mich immer sehr nervös machte. Manchmal wurde mein Mund durch eine Spange, oder Klammer offen gehalten, manchmal nicht. Das war immer anders und immer ein sehr unangenehmes Gefühl. Es machte mich innerlich rasend und war kaum auszuhalten. Solche Operationen dauern nun mal länger. 

Auch spürt man keine Schmerzen, alles andere bekommt man mit. Das Blut das einem den Rachen hinunter läuft, wenn nicht gut abgesaugt wird. Der Schnitt der gemacht wird. Die Klammern, manchmal das Kratzen am Knochen, die anderen Maschinen die eingesetzt werden. Der Kopf wackelt ein wenig bis er festgehalten wird, denn irgendwie reicht die eigene Kraft nicht aus. Das Allerschlimmste ist nicht die Zeit, denn im Gedanken bin ich immer wo anders und versuche es mir so angenehm wie möglich zu machen, sondern die ersten paar Spritzen. Die Erste ist die pure Hölle, die Zweite bringt Tränen, bei der Dritten bin ich bereit zu Laufen und bei den Folgenden gebe ich meistens auf. Lange dicke Nadeln und die tun weh, egal wie oft, immer wieder auf's Neue. Und auch wenn ich davor die Toilette aufgesucht hatte, ich hatte immer das Gefühl, "Ich mach mich gleich an! " Doch wie gut, auch das geht vorbei. 

Diesmal war alles anders. Es gab keine Tränen, keine dicken langen Nadeln, keine grünen Tücher, keinen Gurt, keine Spange die meinen Mund offen hält. Nichts der Gleichen, was mich innerlich in Panik versetzt. Die Betäubung meines Kiefers war unangenehm, aber nicht schmerzhaft und ich war verwundert. Ich spürte sofort wie sich mein Körper und mein Geist entspannte. Das Gefühl, alles ist gut kam über mich und so war es auch. 

Die Musik füllte mich und brachte mich im Gedanken in meine Heimatstadt. Das Wissen, dass Meneer van Duin hier war, war beruhigend und die Art und Weise wie an mir gearbeitet wurde ließ mich entspannen, denn ich hatte keine Angst.  Was mich beeindruckte war, dass er auf meine Narben am Vorderkiefer acht gab. Immer wieder machte er auch seinen  "Schüler" einen Arzt in Ausbildung darauf aufmerksam. 

Ich wurde immer wieder gefragt, ob es mir gut geht, ob eine Pause gemacht werden sollte, ob  ich gut liege.....

Es ging mir gut, sehr gut!

Nachdem alles vorbei war, haben wir noch einige Instruktionen bekommen habe. Besonders eine war Wichtig, dass ich mich schonen soll und 3 Tage nichts tun. Was für ein Geschenk. Mir wurde ein Coolpack auf die Wange gelegt und mit nach Hause gegeben. Ich solle das Coolpack auf alle Fälle heute und wenn nötig morgen auflegen. Das tat ich auch und war diesmal nicht angeschwollen und blau und grün, wurde ich auch nicht. 

Natürlich hatte ich jede Menge Schmerztabletten und die Schmerzen blieben auch nicht aus, doch kein Vergleich zu anderen Operationen. Ich erholte mich viel schneller, als jemals zuvor. Keine Alpträume oder Sonstiges. Ganz einfach viel Ruhe, lesen, mit meinen Kindern Film schauen im Bett und immer wieder schlafen, war die beste Medizin. 

Meine Familie war herrlich, hat mir Zeit und Ruhe gegönnt. Blumen wurden abgegeben, Zeitschriften gebracht und Karten geschickt. Eine ganz besondere Freundin war immer bereit bei mir zu sein , oder die Kinder zu holen, wenn Menner van Duin es nicht schaffte. Dankeschön. Schmerzen die natürlich vorhanden waren sind auch wieder vergangen und tief drinnen hab ich die ganze Zeit gelächelt und war dankbar. 

Ich bin dankbar, dass es so gut gegangen ist. Dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Ich freue mich so sehr, dass ich auf diese kleine sanfte Stimme gehört habe und alles ins Rollen kam. 

Das Leben ist schön, so schön!

Freitag, 4. September 2020

Es geht mir ...

... G U T !


Ich kann es gar nicht glauben, aber so ist es und ich bin glücklich, so sehr glücklich, dass es so ist!

Vor 8 Tagen hatte ich wiedereinmal eine dieser unendlich unangenehmen und für mich sehr Angst einflößenden Kieferoperation. Ich glaube es war jetzt schon die Nummer 9 und ich kann es selbst nicht glauben wie gut es mir geht. Fast ein Jahr habe ich mich davor gedrückt, Schmerzen in Kauf genommen, eine Heilfastenkur, Entgiftungskur und Leberreinigung gemacht. Meine Ernährung umgestellt und obwohl alles mir zu einem besseren Wohlbefinden half, Linderung meiner Schmerzen und Entzündungen brachte, mein Kieferknochen ist nie zur gänze geheilt. Die Entzündungen waren zu hartnäckig. Ich war mir aber sicher, dass ich nicht nochmals mein Kiefer öffnen lassen möchte, nicht noch eine Narbe zu den schon vorhandenen, nicht noch mehr von all' dem was ich nicht will! 

Bis zu einem Tag im Frühling.

Wer mich kennt, weiß, dass mein Lebensweg vom Glauben begleitet wird und dazu gehören meine täglichen Gebete, in denen ich mich im Gebet mit Gott unterhalte. Wer glaubt so eine Unterhaltung ist nur einseitig, irrt. Wiedereinmal habe ich meinem himmlischem Vater meine Angst und meinen Schmerz vorgelegt und ihn gebeten mir zu sagen, was zu tun ist und bitte nicht schon wieder, dass ich meinen Zahnarzt mit dem großen Schnurrbart anrufen soll, (den wir seit unserem Umzug haben) denn darauf hab ich nun wirklich keine Lust!

Habe ich gerade geschrieben keine Lust? Oh, ja! Doch hört Gott auf mich? Nun ja, NEIN! Prompt kommt wieder dieses weiche Gefühl in mir hoch, oder dieses sanfte flüstern, "Ruf, Deinen Zahnarzt an!" 

Oh, nein! Das mag ich aber gar nicht! Kannst Du nicht bitte ein bisserl zaubern? Nein! Also gut!

Wochen zuvor hatte ich mich in den Schriften in einen Vers vertieft worin steht das, "Wenn wir den Heiligen Geist empfangen haben, wird er uns alles zeigen, was wir tun sollen." Ich hatte mir damals vorgenommen nicht nur zu hören und zu fühlen, sondern das zu Tun in den Vordergrund zu stellen. Auch wenn ich nicht weiß was es bringen wird oder genau umgekehrt, wenn ich mir sicher bin, dass ich viel klüger bin. Wie sehr kann ich mich manchmal irren!

Ich vergas, dass dieser Schnurrbart-Zahnarzt seit einigen Wochen in Pension war und es eine neue, mir noch unbekannte Zahnärztin gab.

Angerufen, Termin noch für den selben Tag bekommen und schon saß ich im Wartezimmer.

Die neue Zahnärztin war nicht nur nett, hübsch und gut sondern wusste auch noch bescheid über meine Operationen und alles was in den letzten Jahren passiert ist, obwohl sie mich zum ersten Mal sah.

Eine Operation war nötig  ( No no na net! Als ob ich das nicht gewusst hätte), der Zustand hatte sich verschlechtert und auf die Frage, warum ich diesen Schritt noch nicht eingeleitet hatte, kam meine Super-Antwort, dass ich nicht wirklich will! Und wenn man nicht möchte fallen einem noch mehr Ausreden ein, die zwar stimmen, aber Überwindbar sind. 

Hier meine Ausreden (falls jemand welche braucht, bitte bedienen!)

Durch den Umzug von 's-Hertogenbosch (Noord Brabant) nach Barsingerhorn  (Noord Holland), bin ich nicht 45 Minuten von meinen Speziallisten in der Uniklinik Radboudumc in Nijmegen entfernt, sondern mit Stau fast 3 Stunden und das ist nicht machbar mit Kindern in der Schule. Und ganz wichtig, es bleibt nicht nur bei einer Reise!

Außerdem ist meiner Familie in Wien und kann mich nicht unterstützen. Die niederländische Familie steht noch in der Blüte des Arbeitsleben und steht somit leider auch nicht zur Verfügung.

Mein Mann muss sich frei nehmen! (Meneer van Duin hat sich immer frei genommen und sich um alles gekümmert)

So eine Operation passt eigentlich  nicht wirklich in meinen/unseren Zeitplan!

Und, ich habe Angst! Nach so vielen Kieferoperationen in meinen Leben, davon die letzten 8 in 5 Jahren überwiegt die Angst. Und das ist die Wahrheit!

Sie schaute mich ruhig an und erzählte mir von einem Kollegen mit dem sie die letzten Jahre zusammen gearbeitet hat, der ganz in der Nähe seine Praxis hat und auf dem Gebiet spezialisiert ist. "Ach ja!", dachte ich mir, "natürlich, und ich kenn' den Osterhasen persönlich." Wie unglaublich lange haben wir vor einigen Jahren einen Spezialisten gesucht. Ich solle ihn mir doch anschauen und dann entscheiden. Sie schrieb alle Informationen auf ein Kärtchen gab es mir mit den Worten "Rufen Sie an und ich werde ihm eine E-mail schicken mit weiteren Informationen und Sie ankündigen!"

Ich nahm das Kärtchen stieg in mein Auto und hatte ein angenehmes Gefühl. obwohl ich trotzdem vom Kopf her ein wenig skeptisch war. 1 Stunde später hatte ich einen Termin für in 2 Monaten zu einem Erstgespräch und war irgendwie zufrieden und ohne den Arzt gesehen zu haben und nur die Beschreibung der Ärztin gehört zu haben und ihre Körpersprache, war ich doch beruhigt und dachte "Was für ein Segen!"

Viel früher als mein Erstgesprächstermin geplant war, bekam ich einen Anruf mit der Frage, ob ich nicht am nächsten Tag kommen könnte? Ich nahm an und freute mich, den meine Schmerzen waren nicht weniger geworden und Eiter und Entzündungen waren zu spüren und zu schmecken.

Nervös machte ich mich am folgendem Tag auf dem Weg zum Spezialisten. Nicht nur war man höfflich und zuvorkommend, nein, sofort hatte ich ein Gefühl von 

"Hier bist Du gut aufgehoben!" 

Die Assistenten hatten alle ein Lächeln auf den Lippen, sprachen ruhig und liebevoll. nahmen meine Schmerzen ernst und waren sehr Behutsam. Röntgenfotos wurden gemacht, Fragebögen ausgefüllt und  nette Gespräche geführt.

Als ich nun endlich den Arzt kennen lernte und natürlich skeptisch war, war ich darüber erstaunt wie schmerzfrei er mein Kiefer abtastete und auch über alle Operationen bescheid wusste. Kurzum stellte er mir vor nicht all zu lange mehr zu warten, den das Problem wird nicht kleiner und es muss schnell gehandelt werden.

Er fragte mich folgendes: "Wann wäre ihnen der Eingriff recht?" "Morgens , Mittags oder Abends?" Ich dachte ich höre nicht recht,  wann es mir recht wäre? "Was!" Er sah mein Gesicht und sagte, "Sie sind Mutter,  da wäre es gut alles gut zu planen, damit sie sich danach  auch wirklich ausruhen können." "Aha, daran hat noch niemand gedacht!" dachte ich mir und schwieg für einen Moment.

"Also", sagte der Arzt, "Ich schlage einen Donnerstagabend vor, dann könnte sich ihr Mann Freitag freinehmen und sie pflegen und sich das Wochenende über den Kindern widmen. Und sie bleiben schön im Bett und ruhen sich aus." Erstaunt stimmte ich zu. 

Die Operation wurde in Detail besprochen. Ich wusste alles aus Erfahrung und trotzdem war es anders und sehr aufregend. Die Entzündungen in meinen Kieferknochen werden entfernt, ein Zahn muss entfernt werden und ich brauche wieder eine Knochentransplantation, doch diesmal werde ich nicht meine eigene Spenderin sein, wie beim letzten Mal, sondern benötigtes Knochenmaterial wird bereitgestellt. Bei meiner großen Knochentransplantation, wurde Knochen aus meinem Schädel entfernt und eingesetzt. Es war in den Jahren danach interessant zu sehen, wie gut sich dieses Knochenstück eingefügt hatte und das entstandende Loch langsam verschwand. Ein Implantat wird gesetzt und später dieses mit einem Zahn gekrönt. Es werden auch nicht 3 Operationen sein, sondern alles wird in einem Aufwisch gemacht. Wie praktisch! Ach ja, und ich soll schon einmal darüber nachdenken, was für Musik ich während dem Eingriff hören möchte. Aha, dass ist mir auch noch nie gesagt worden.

Zum Schluss wurden noch die Kosten im kleinsten Detail besprochen, was alles benötigt wird und was jeder Posten kostet. Auch hier konnte ich auf  Erfahrungen zurückgreifen und alles war gut. 

Alles fühlte sich gut an und ich dachte. "Hier bin ich gut aufgehoben!" Machte einen Termin für Ende August aus und verließ ruhig und erleichtert die Ordination, meines neues Kieferchirurgen.  Der mir auch noch erzählte, dass er bei den Ärzten die mich zuvor jahrelang behandelt hatten und schon fortgeschrittenen Alters waren gelernt hat und sie gut kennt. Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen!

So einfach geht es, wenn ich nicht nur höre auf diese sachte Stimme in mir sondern auch danach handel.

Mittlerweile bin ich müde geworden und mein Gesicht schmerzt, somit sag' ich jetzt ganz einfach,

Fortsetzung folg! 


Mittwoch, 20. Mai 2020

Heimweh...


... ist so eine Sache.

Heimweh, kommt immer ein wenig unerwartet, zumindest bei mir.

Gerne würde ich jetzt gerade auf einem Bankerl in meinem geliebten Servitenviertel sitzen und die Sonne genießen mit einer Topfengolatschen in der Hand und Buttermilch und dabei ein Buch lesen. Eine kleine Pause nehmen vom Alltag und dann in den Ersten Bezirk spazieren und ein paar Dinge erledigen.

Manche meinen sich nach seiner Heimat sehnen hat etwas mit Undankbarkeit zu tun - Darüber kann ich nur lachen. Man kann Dankbar sein und Heimweh haben. Heimweh nach gewissen Gerüchen, Speisen, Menschen, Straßen und Gasserln. Nach einer vertrauten Art des Miteinander seins und noch vieles mehr. Trotzdem ist man Dankbar für das hier und jetzt.

Ich bin reichlich gesegnet und dafür sehr dankbar.

In wenigen Tagen feiert meine Erstgeborene ihren 20zigsten Geburtstag. Kaum zu glauben! Gerne wäre ich bei ihr in Wien und hätte herrliche Tage mit ihr verbracht, sie geherzt und nicht losgelassen. Ihr Geburtstagsgeschenk, die kleine Katzendame Kiki macht unser Haus ein wenig unsicher.  Auch wenn es alle möglichen Formen der Kommunikation gibt und man sich täglich sehen kann ist ein persönliches zusammen sein, ganz eng und vertraut noch  immer die schönste Weise.

Dieses Covid_19 hat vieles durcheinander gebracht. Erstaunlich für so einen kleinen Virus, der so stark ist. Auch erstaunlich, dass wir an all' den Zahlen festhalten und interessiert sind. Wie viele sind gestorben oder im Krankenhaus. Bei keiner anderen Krankheit werden wir so am laufenden gehalten. Oder stehen wir still wie viele Frauen jetzt im Moment an Brustkrebs leiden oder heute gestorben sind? Nein, das ist zwar alles sehr traurig, aber nicht so durchdringend wie Covid_19 - im Moment.

Wenn mein Heimweh zu groß wird, dann gehe ich im Gedanken durch die kleinen Gasserln der Wiener Innenstadt. Mein Vater hat mir alle gezeigt und wir sind sie zusammen so oft gegangen. Oder über den Nasenweg am Leopoldsberg und dann die Aussicht genießen und weiter wandern. Diesen Weg bin ich schon als Kleinkind im Rucksack mitgewandert. In den  grünen Prater und weit hinter dem Lusthaus spazieren bis zur Fuchshöhle die es noch immer gibt. Ob dort noch immer ein Fuchs wohnt weiß ich, aber der Spaziergang ist herrlich schön und es richt im Frühling so wunderbar nach Bärlauch.

Und nicht zu vergessen, weil ja gerade Eiszeit ist, ein Eis vom Eis Greissler und da am liebsten bitte Mohn und Marille oder Butterkeks und Joghurt Kirsch.

Letzte Woche habe ich das Sommer in Wien von Petra Hartlieb ausgelesen. Ich hoffe es kommt bald ein Herbst in Wien. Dank meiner jüngsten Schwester besitze ich alle Bücher von Petra Hartlieb. Ich liebe ihren Schreibstil, der so leicht, amüsant und ehrlich ist. Gerne gehe ich in so manchen Wienerurlauben in ihre Buchhandlung auf der Währingerstraße und gleich bei mir (früher) ums Eck in der Porzellangasse kann man auch klein, aber fein in die Welt der Bücher eintauchen.

Der Gast, der sich Heimweh nennt, kommt und geht und manchmal bleibt er länger weg und manchmal nicht.

Auf ein baldiges Wiedersehen mein geliebtes Wien.



Mittwoch, 29. April 2020

Geburtstags-...


...Erinnerungen!

Heute ist mein Geburtstag und ich bin schon seit einigen Stunden wach. Genieße die Stille im Haus und habe vor Sonnenaufgang meine Lieblingsaussicht aus unserem großen Wohnzimmerfenster genossen. Diese besondere Platz gibt mir immer wieder Kraft, die ich so sehr brauche. In Erinnerungen tanzend, habe ich an so manche Geburtstage gedacht und mich so sehr daran erfreut, dass ich einige mit Euch teilen möchte.

Als Kindergartenkind kann ich mich an diesen Geburtstag erinnern an dem meine Oma zu Besuch kam. Ihre Besuche waren selten, aber immer besonders. Sie hatte mir ein kleines Puppenbesteckset geschenkt und ich musste sofort ausprobieren ob es auch wirklich schneidet. Ein Apfel wurde geschnitten und gegessen. Ich kann mich noch an mein Gefühl von damals erinnern, ich kam mir  so groß vor, denn ich konnte jetzt alleine mein eigenes Messer benutzen. 

Meine Anyukám hat die Geburtstage in unserer Familie immer mit ganz viel Hingabe gefeiert. Ihr Torten waren immer ein großer Erfolg, den ganzen Tag gab es irgendwelche Überraschungen und die Geschenke immer toll. Wie vermisse ich sie an meinen Ehrentagen. Bevor ich gestern meine Augen schloss, habe ich gebetet und Gott gebeten mir doch einen schönen Traum mit meiner Mutter zu schicken. Irgendwie muss die Leitung überfüllt gewesen sein, den anstatt mir einen Traum zu schicken, kam unser Nesthäckchen und weckte mich mit den Worten, „ Mama, ich brauch Dich, kannst Du bitte bei mir schlafen!“ so eine Nacht im Kinderzimmer ist nie ein Erfolg, wenn es um den eigenen Schlaf geht, doch meine 6 jährige wieder in ihr Träumeland entschwinden zu sehen ist wunderschön.

Meneer van Duin hat mich schon seit einigen Tagen gefragt, was ich heute essen möchte und sosehr ich darüber nachdenke, weiß ich es nicht. Nichts, was ich hier bekommen könnte. Ich hätte gerne Gulyásleves, eine ungarische Gulaschsuppe mit typisch ungarischem Brot. Mein absolutes Lieblingsessen! Torte möchte ich keine dafür dann viele Beeren, ganz viele verschiedene Sorten. 

Als Teenager hatte ich natürlich auch meinen eigenen Kopf und hatte einen wichtigen Geburtstag ohne meine Familie feiern wollen. Was ich nicht wusste war, das meine Mutter sich von der Arbeit nach Hause beeilte und einige Stunden frei machte, um Zeit nur mit mir zu verbringen und wer war nicht da, ich. Das tut mir heute noch leid. Sie hat es sich nicht anmerken lassen, doch ich kann mir gut vorstellen wie sie sich fühlte.

Viele Geburtstage habe ich in den 46 Jahren im Ausland gefeiert ich habe wunderschöne Erinnerungen an so manche. Auf meiner Mission für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, vor mehr als 20 Jahren feierte ich zwei ganz außergewöhnliche Geburtstage.  Einen am Tempel Square in Salt Lake City, Utah, wo ich damals diente und eine in Californian in der Oakland Mission. Meine Mitarbeiterinnen, hatten damals wunderschöne Überraschungen geplant. Ich weiß noch sehr gut, dass ich zu meinem Geburtstag in der Oakland Mission ist einen recht großen Betrag von meiner Familie und einer lieben Wiener Freundin bekommen habe. Dieses Geld wurde für mich eingewechselt. Irgendwie kam mir der Betrag sehr groß vor, viel zu groß. Doch ich gab es aus, alles an einem Tag, es war mein freier Tag und ich ging mit meiner Mitarbeiterin shoppen. Mit vollen Taschen, einem neuem Kleid und einigen tollen Bodylotions von Victoria Secret, sowie neuen Stiften, Briefpapier etc. kamen wir zum Missionspräsdenten. Mir blieb der Mund offen, als der Sekretär mir erklärte das die Bank anrief und bat einen gewissen Betrag zurück zu bringen, sie hatten einen Fehler gemacht und mir zuviel Geld ausbezahlt. Die Bankangestellte hat die österreichischen Schilling mit dem Kurs  von australischen Dollar berechnet. Ich stellte meine Taschen ab und sagte nur : “ Tja, ich habe alles ausgegeben!” Was mach’ ma jetzt?” Heute muss ich noch darüber lachen! Ich, wo ich eigentlich immer sehr sparsam bin, hatte damals wirklich alles ausgegeben, bis auf den letzten Cent. Der Sekretär schaute mich an und sagte nur: “ Sister Petersell, I will take care!” And he did. Später erfuhr ich, dass er selbst die Differenz an die Bank zurückzahlte. Er hat nie darüber gesprochen. Damals hatte ich ihn öfter danach gefragt, seine Worte waren jedesmal, “Don’t  think about it, everything’s is fine. Das Kleid von damals habe ich noch immer als Erinnerung in meinem Kleiderschrank.

Eine ganz liebe Nachbarin in unserem Wohnhaus, im Servitenviertel, hat mir an meinem 27. Geburtstag einen Kuchen in der Form der Zahl 27 gebacken. Meine Mutter war 5 Tage zuvor unerwartet verstorben. Ich war ganz besonders dankbar, damals und auch heute. Es war ein schwerer Geburtstag, der Beginn von einem schwerem Lebensjahr. In diesem Jahr hatte ich nicht nur meine Anyukám verloren, sondern auch ein Kind, meine jüngste Schwester ist sehr schwer erkrankt und ich habe unzählige Tage und Nächte im Krankenhaus verbracht, doch es gab auch ein wunderbares Geschenk. Kurz vor meinem nächsten Geburtstag wurde meine dritte Schwangerschaft bestätigt und zu Weihnachten 2002 hatte ich meinen ersten Sohn im Arm. Meine erste Hausgeburt und das erste und einzige Mal wo ich das Gefühl hatte, das meine Mutter anwesend war, als hätte sie mir mein Kind gebracht. Dieser Sohn hat viele meiner Geburtstage mit einem herrlichem Frühstück verzaubert. Schon als kleiner Kindergartenjunge bekam ich Musli ans Bett serviert, später Orangensaft mit Eierspeise. 

Marie-Louise hat mich zu meinem ich glaube 39 Geburtstag mit einer wunderschönen Zeichnung beschenkt. Ich hatte mir damals eine Zeichnung von ihr gewünscht. Ich liebe es wie sie zeichnet. Damals schwanger mit unserem unerwarteten Sommerbaby hat sie mir eine Maria, die Mutter Jesus, im Mangastil gezeichnet.

Meine jüngste Schwester ist die beste Geburtstagssängerin.

Letztes Jahr habe ich mit alten und neuen Freundinnen in unserem neuen Haus meinen 44. Geburtstag  kurz vor meinem 45 gefeiert. Mit Wiener-Essen und ganz vielen Geschichten.

Meneer van Duin hat meine Geburtstage in den Niederlanden immer unvergesslich gestaltet. Es gab Geburtstage in meiner Heimat Wien, oder in seiner ”Kinderheimat” in der Jura in Frankreich. Und heute in dieser besonderen Corona-Zeit wird es Geburtstagruhig sein und trotzdem wunderschön.

Jetzt am Ende des meines Blogs weiß ich auch was ich essen möchte. Nachdem Meneer van Duin nochmals fragt weiß ich es, Reis mit ganz viel Gemüse und einem herrlichen Obstsalat. 




Montag, 20. April 2020

Radfahren und Wind ...

… in Nord Holland!

Diesen Blogeintrag hab' ich heute entdeckt!

Er was fertig und vom letztem Jahr. Warum hab ich ihn nicht gepostet? Nach diesem Blogeintrag ist es rasant Bergab gegangen mit meiner Gesundheit und es war eine sehr schwierige Zeit. So schwierig, dass ich nicht mehr wusste worüber ich schreiben sollte. Ich hatte mich mit meinem Wünschen auseinandergesetzt falls ich es nicht schaffen werde. Lange hat mich dieses Thema sehr bewegt. Jetzt fast ein Jahr später ist es besser und ich kämpfe mit Anderem, wie zum Beispiel viel mehr Gewicht, Lust auf Schokolade und dieser Corona-Heimunterricht, der meine Geduld strapaziert und noch immer sind Schmerzen ein Teil meines Alltags.

Vieles hat damals nach diesem Blog begonnen

Mai 2019

Ja, manchmal bringen mich die kleinsten Wünsche meiner Kinder ins Bett. Man mag es nicht glauben, aber Vienne und ich waren fast eine Woche zum Ruhen verdonnert. Zuerst mochte ich das gar nicht, denn ich hatte doch erst begonnen meine schmerzfreie Zeit als "normal" zu betrachten, doch es kam anders.

Ich dachte doch wirklich ich bin stark genug um mit den Kindern zur Schule zu radeln! 

Hahahaha, nein noch nicht! Diese Lektion des Lebens werde ich nicht so schnell vergessen!

Die Sonne scheint hier herrlich schön und auch wenn die Temperaturen noch nicht so hoch sind wurde ich verleitet die immer wieder gestellte Frage: " Fahren wir biiiiitteeeee mit dem Fahrrad zur Schule?" mit Ja zu beantworten. Diese Antwort war spontan und hätte ich länger nachgedacht, hätte ich meinem Gesicht zu liebe NEIN gesagt, aber das hab' ich nicht.

Es fühlt sich auch ganz furchtbar an als Mutter immer wieder nein zu sagen, wo es doch um ganz einfache Wünsche geht. Ich wollte nicht schon wider die Spielverderberin sein und dachte mir, die Temperatur wird schon ansteigen und die Sonne ist auch noch da.

Schon auf dem Weg zur Schule merkte ich das diese Wunscherfüllung in die Hose gehen und Schmerzen kosten wird.

Und so war es dann auch.

Der Wind hier in Nord Holland ist anders als in unserem früherem Zuhause in der Landesmitte. Mein Gesicht kann mit Kälte und Wind nicht so gut umgehen. Vom Gefühl her zersticht mir der Wind das Gesicht, ganz besonders an dem Teil der Knochentransplantation und den Nebenhöhlen die genau darüber liegen.

Als die Kinder beim Zurückfahren auch noch ihre Fahrräder bei mir ablegten, weil der Eine  Aus-Spielen war und die Prinzessin da sie, verständlicher Weise, zu müde für's radeln bei Wind und Kälte war, war ich den Tränen sehr Nahe und dachte: "Was mach ich jetzt?"

In solchen Fällen gibt es keine andere Möglichkeit, als ganz einfach mit dem Blick nach Vorne weiter machen. Somit lud ich die 2 Fahrräder auf mein Bakfiets auf und schob es die meisten Kilometer durch den Wind mit Vienne hinten drauf, die mir die schönsten Geschichten erzählte.

Zuhause angekommen war ich fix und fertig und glücklich in unserem warmen Haus sein zu können.

Meine Laune war nicht mehr die Beste den die Schmerzen waren kaum auszuhalten und ich war von mir selbst genervt. 

Vienne ist in der Nacht krank geworden mit Fieber und ich bin meinen Schmerzen nach einem Tag ankämpfen erlegen. 

Ganz lieb wurden wir verwöhnt mit Essen, Einkäufen und einem DVD Nachschub an Barbie Filmen. Die gesunden Kinder sind einmal mehr mit dem Hund Gassi gegangen, den es herrschte noch dazu eine Darmgrippe, die wenige Tage andauerte.

Ich war ein bisserl nicht nur aus den Schuhen, sondern auch aus meinen Socken gefallen. Ich habe mich doch erst vor kurzem wieder begonnen zu genießen.

Mittlerweile geht es uns wieder gut und ich gehe im Moment nicht ohne einen extra Mundschutz aus dem Haus, bis das Wetter "Gesichtsfreundlich" ist.

Das Lustige ist, jetzt in der Corona-Krise bin ich nicht die Einzige mit Mundschutz und wäre ich gerade in Österreich, würde ich gar nicht auffallen. Hier in den Niederlanden ist Mundschutz eher selten zu sehen.

Das Leben ist schön, egal was für Tage ich hinter mir habe. Es gibt immer etwas Neues zu erleben und dafür bin ich dankbar. Sehr sogar!

Ps. Ich habe vor 2 Wochen wieder begonnen mit dem Radfahren an einem besonders sonnig-windfreien Tag. 

Mittwoch, 17. April 2019

Heilfastenbrechen und ...

… und die Zeit danach!

Was war das für ein schöner sonniger Mittwoch vor einigen Wochen.

Ich habe mein Heilfasten gebrochen mit einem herrlichem Apfel auf der Wiese im Garten. Ohne Schuhe in meinen Ringelstrümpfen. So gut!

Davor musste ich aber noch mit mir kämpfen, auf einmal bekam ich ein ungutes Gefühl, ja so ein bisserl Angst.

Was ist, wenn meine Schmerzen wieder kommen?

Wenn ich in die Falle des "Zuviel-Essens" falle?

Wenn ich alles Falsch mache?

Soll ich überhaupt wieder essen?

Solche und noch mehr Fragen schwirrten mir im Kopf herum und nach gutem Überlegen nahm ich den ersten Biss einer Apfelscheibe.

Oh, wie war das herrlich, so gut!

Alle Fragen die ich davor hatte waren mit dem Wind weggeweht und ich habe genossen, pur genossen und war dankbar. Dankbar und glücklich, dass ich es wirklich geschafft hatte. Was für ein Glücksgefühl, ein Geschenk an mich selbst. Es tat so gut und ja, ich würde es immer wieder machen. Am liebsten einmal für einige Zeit in einer Fastenklinik und auf mich abgestimmt. Das wäre ein wunderschönes Geschenk.

Für eine Woche habe ich mich absolut Basisch ernährt um meinen Darm langsam wieder ans Essen zu gewöhnen, was auch gut gegangen ist. Danach hatte ich keine Lust mehr um mich an irgendwelche strikten Regeln zu halten , außer die, die ich sowieso immer einhalten sollte.

So ist es einige Zeit auch gut gegangen, bis ich Tante wurde und meine Sehnsucht so groß war und ich begann ein wenig "wahllos" mir so das eine oder andere in den Mund zu stecken. 

Das was ich am meisten genossen habe ist keine Schmerzen zu haben und dieser Zustand hat fast 4 Wochen angehalten. Leider war ich ein wenig zu euphorisch aber das erzähle ich im nächsten Blog.

Morgen ist meine persönliche Fastenzeit zu Ende. 

Mein Fazit, es war gut und sehr hilfreich. Ich habe insgesamt 44 Tage gefastet davon 14 Tage Heilfasten. Es sind einige Kilos gepurzelt und Zentimeter an Umfang verschwunden. Ich fühle mich gut und glücklich und werde es bestimmt wieder tun.

So manche Tage haben mich an meine Grenzen gebracht, doch das Glücksgefühl und die Leichtigkeit waren ein himmlisches Geschenk.


Dienstag, 2. April 2019

Herzlich Willkommen ...


… kleines süßes Mädchen!

Hier in den Niederlanden ist so manches anders!

Jedes Land zeigt sich in seinen Traditionen von einer anderen Seite, manches gefällt und manches nicht, doch es zu kosten und darin zu baden ist manchmal sehr erfrischend.

So, hat mich gestern diese liebe Karte erreicht die mir gratuliert das ich Tante geworden bin. Nie hätte ich an so etwas gedacht. Hier gratuliert man auch der ganzen Familie zum Geburtstag, den irgendwie ist ja jeder daran beteiligt. "Gefeliciteerd met je dochter, zoon, zus, broer ..." (Herzlichen Glückwünsch zu Deiner Tochter, Sohn, Schwester, Bruder …), oder wer auch immer. Dieser gängige Satz ist an jedem Geburtstag zu hören und nur zu oft vergesse ich es, zu meiner Schande, noch immer. Eigentlich finde ich das immer ein bisserl' lustig, doch gestern hat mich diese Herzlichkeit fast zu Tränen gerührt.

Letzten Freitag, zu Mittag, ist ein ganz süßes kleines Mädchen in eine wunderbare Familie geboren worden und ich bin sehr dankbar für dieses Glück. Dankbar, dass alles gut verlaufen ist und dieses kleine Geschöpf, meine Süße und ihren Mann, überrumpelt hat und es äußerst eilig hatte. Obwohl ich 1200 km entfernt zur gleichen Zeit ein besonderes Gefühl hatte und sogar darüber sprach, war ich sehr erstaunt als ich die Stimme meines Schwagers hörte und danach die süße Stimme meiner Schwester. Ich konnte den ganzen restlichen Tag an nichts anderes denken und bin ganz spontan mit den Kindern in unseren neuen Vorgarten dem Strand an der Nordsee gefahren, um meinen Gedanken und Gefühle in die See zu werfen. Ich hätte es im Haus nicht ausgehalten. Am Liebsten wäre ich ins Auto gestiegen und nach Wien gefahren.

Dieses Himmelsgeschenk hat einen wunderschönen Namen bekommen und ihr kleines Gesicht erinnert mich sehr an ihre Mutter und irgendwie schweife ich seit Tagen immer wieder in die Zeit von damals zurück, als unsere Mutter noch lebte. 

Ich höre die Musik, zu der unsere Mutter als Schwangere getanzt hat, wenn sie sauber machte und später meine Süße durch die Wohnung trug, wenn sie vor lauter Müdigkeit nicht einschlafen konnte. Auf einmal wird vergangenes zur Gegenwart, weil Erinnerungen erwachen, die einen so glücklich machen, dass man vor Freude weint. Diese Erinnerungen möchte man auch nicht unbedingt teilen, weil sie niemanden das Herz so erfüllt und berührt wie nur einen selbst. 

Nur zu gerne wäre ich gerade in Wien, würde dieses Glück mit eigenen Augen sehen und voll Liebe herzen, bekochen, helfen und vor allem abbusseln und mich mit ihnen Freuen. 

Ich bin dankbar, dass Familien für alle Ewigkeit bestehen können und wir mit allen Lieben, die uns viel zu Früh verlassen haben wieder vereint sein werden.

Herzlich Willkommen kleines süßes Mädchen!

Dienstag, 26. März 2019

Meine 14 Tage

… Heilfasten

Heute ist der vierzehnte Tag meines Heilfastens, der letzte Tag an dem ich nur Wasser und Tee zu mir nehme  und Abends eine Gemüsebrühe neigt sich dem Ende zu.

Ich freue mich auf morgen Mittag!

Da werde ich mit vollem Genuss einen Apfel essen und damit mein Heilfasten zu brechen. (Wenn ich so darüber nachdenke hätte ich lieber eine Dattel wie beim Fastenbrechen des Ramadan) An manchen Tagen habe ich mir diesen Apfel vorgestellt. In kleinen dünnen Scheiben geschnitten, in einer Kreisform auf einem meiner schönsten Teller aufgelegt. Ganz genüsslich kaue ganz langsam mit ganz viel Bedacht. Herrlich!

Diese 14 Tage waren für mich sehr ereignisreich und die Erfahrung nochmals zu haben, dass nach Tagen alle Schmerzen meinen Körper verlassen und ich "frei" bin war so wunderschön. Das fasziniert mich am Heilfasten, diese Schmerzfreiheit. Meine innere Kraft, die ich so gut kenne und in langen Schmerzfasen mir hilft zu überleben, doch in dieser Schmerzfreiheit bin ich zu so viel mehr fähig und ich liebe es. 

Die letzte Woche bin ich wieder kreativ geworden, wollte unbedingt arbeiten und kann es gar nicht erwarten bis mein Atelier wieder eingerichtet ist. Ich kann springen und tanzen, lachen und alles was mir so in den Sinn kommt tun. Alles ist so unbeschreiblich leicht und wunderschön.

Nun heißt es klug sein und keinen Fehler machen. Ab morgen beginnt meine Aufbauphase. Mein Darm muss sich ganz langsam wieder an Essen gewöhnen und so suche ich schon seit einigen Tagen nach der besten Ernährung für mich.

Letztes Jahr, habe ich es leider nicht so gut gemacht. Der Tod meiner Schwiegermutter und alles was danach unser Leben umkrempelte war für mich nicht einfach zu bewältigen und ganz schnell war ich in meinem alten Essensmuster zu finden.

Ich bin gespannt, ob meine Lebensmittel-Unverträglichkeiten noch vorhanden sind, ob mein Darm sich wieder schnell entzündet und ganz besonders, wie mein Kiefer reagiert, ob sich wieder Entzündungen zeigen nach einigen Wochen.

Um dem allen zu entrinnen, ist es mein Ziel meine Ernährung so gesund wie möglich zu halten. Erstens möchte ich keine Schmerzen und zweitens wäre es sehr schön, die nebenbei verlorenen Kilos auf der Waage nicht wieder zu sehen.

Für die Aufbauphase habe ich mich für die basische Ernährung entschieden, weil alle Produkte die ich nicht essen sollte automatisch wegfallen und das macht es mir einfacher. Es gibt Unmengen an Listen und Tabellen im Internet zu finden. Einige machen Sinn und viele überhaupt nicht, somit habe ich mich tiefer in dieses Thema hineingelesen und bin überzeugt, dass es im Moment für mich die beste Lösung ist. Ich werde es erleben und danach berichten.

Dieses Jahr ist die Fastenzeit wirklich eine besondere Zeit für mich.

Ich freue mich so sehr.

Ps. So eine Schale von Laura Straßer aus dem Ilmgold Studio aus Berlin hätte ich auch sehr gerne. Ich bin fasziniert von ihrem Design.


Freitag, 22. März 2019

Heilfasten, ...


… in der Fastenzeit!

Mit Aschermittwoch hat die christliche Fastenzeit begonnen  und dauert 40 Tage. Eigentlich ein paar Tage länger, da die Sonntage vom Fasten ausgenommen sind, aber nicht für mich. Ich faste lieber durch - bis zu Ostern.

Da meine Ernährung ganz anders aussieht, als bei den meisten, dachte ich mir, was kann ich noch weglassen, und habe mich für Fleisch entschieden.

Ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol, nehme seit 1. Januar 2019 keinen Zucker mehr zu mir außer in Obst und Gemüse, esse keine glutenhaltigen Lebensmittel nur mit einer Sache ist es wirklich schwer für mich und das ist Wurst und Fleisch, die Wurst mehr als das Fleisch.

Auch hier in den Niederlanden findet man ganz leckeren Schinken und Salami. Wenn ich in Wien bin brauche ich meine legendäre Extrawurstsemmel mit Gurkerl' bitteschön, Käsewurst und eine Käseleberkäsesemmel darf auch nicht fehlen. Alles nicht gesund und ich habe dann bis zum nächsten Besuch auch genug, aber das ist der Geschmack meiner Kindheit.

Beginnend mit Aschermittwoch habe ich also Fleischprodukte weggelassen und mich langsam auf mein Heilfasten vorbereitet. Denn das war und ist mein Ziel, 14 Tage lang Heilfasten mit Wasser, Tee und einer Gemüsebrühe am Abend.

Warum? Ich habe letztes Jahr 10 Tage Heilfasten ausprobiert nachdem ich eine sehr interessante Dokumentation auf YouTube gesehen hat. Es hat mich so angesprochen das ist es gleich ausprobiert habe. Seit meiner Knochentransplantation, eines Stückes, meines Oberkiefers sind Schmerzen in meinem Alltag immer zu Gast. Heilfasten hat mir letztes Jahr zum ersten Mal meine Schmerzen genommen und ich war fast 2 Monate schmerzfrei. Als Genussmensch habe ich mich nach einiger Zeit nicht mehr an die einfache gesunde Ernährung gehalten. Weil es mir so gut ging, wollte ich wieder alles essen und schon bald war die schmerzfreie Zeit vorbei.

Diesmal möchte ich es besser machen und somit eine längere Zeit der schmerzfreien Zeit erleben!

Heute ist der 10 Tag meines Heilfastens und bis jetzt geht es mir sehr gut. Manchmal bin ich ein bisserl' müde, mir ist kalt und ich brauche nicht soviel Schlaf wie normal. Seit 2 Tagen bin ich absolut schmerzfrei und das macht mich sehr, sehr glücklich. Diesmal ist die schmerzfreie Zeit viel später eingetreten, was mich ein bisserl' nervös gemacht hat, doch jetzt ist sie da und ich genieße es, meinen Körper so entspannt zu erleben. 

Einlauf, Leberwickel, Fastentee und Gemüsebrühe helfen mit mich gut zu fühlen. Mein Geist ist klarer und seitdem ich keine Schmerzen mehr habe, habe ich viel mehr Kraft und viele, viele gute Ideen. Die Zeit zum Ausrasten nehme ich mir jeden Tag und genieße so manches viel intensiver als zuvor.

Ich habe soviel über Heilfasten und die richtige Ernährung gelesen, dass ich diese gute Sache nicht mehr missen möchte. Es tut mir gut und ich bin dankbar, das so etwas Einfaches wie Fasten so etwas Großes bewirken kann. Unser Körper wird durch den Essensentzug und die Ruhe die einkehrt in einen Reparaturmodus versetzt. Krankheiten verschwinden ganz oder schrumpfen.

Heilfasten werde ich noch 4 Tage und danach mich ganz langsam in die Welt des Essens eingewöhnen. Mit sehr viel Bedacht und gutes auswählen am Gesunden eine neue Basis schaffen und so langsam wieder ins Leben des Kauens tauchen.

Natürlich würde ich mich sehr gerne einmal in einem Fastenhotel verwöhnen lassen und ganz aus meinem Alltag aussteigen, doch dazu ist die Zeit noch nicht gekommen. Als Mutter, ohne Familie in der Nähe und Meneer van Duin, der viel arbeitet, ist das im Moment nicht möglich. Die schwerste Zeit des Tages ist für mich abends, wenn ich das Abendessen zubereite. Wenn all' die leckeren Zutaten durch meine Hände gehen und ich später mit der Familie zu Tisch sitze und meine Gemüsebrühe löffle. Ganz schlimm ist es, wenn die Kinder dann auch noch nörgeln und das Aufgetischte nicht mundet, doch so sind sie halt.

Hier verlinke ich die Dokumentation, die mich letztes Jahr so angesprochen hat - Heilen und Fasten

Es gibt vieles mehr und wer mehr wissen möchte, oder noch andere Links zum Thema haben möchte, schreibt mir ganz einfach. Es sind viel zu viele und das Internet bietet soviel Information darüber.

Auf bald, ich bin so gespannt was die nächsten 4 Tage bringen werden.

Samstag, 9. März 2019

Jenn, ...


… eine ganz besondere Frau!

In Nächten wie diese, wo mich der Schlaf verlässt und ich in einen See von Schmerzen tauche, die kein Zauber verschwinden lässt, würde ich manchmal gerne einen Bericht an Jenn schicken und von ihr lesen.

Sie hatte immer etwas  neues, interessantes und aufbauendes in Petto. Ein interessantes Buch, Artikel die sie nicht nur gelesen hat, sondern studiert. Ernährungsweisheiten, die Sinn machten, aromatische Öle, oder ganz einfach nur ihr bezauberndes Lächeln und ihre positive Art.

Als ich Jenn vor Jahren kennenlernte, hat mich ihr strahlendes Wesen beeindruckt, damals Mutter von 5 Kindern und immer unzählige andere Sachen die sie unter einen Hut brachte. Ich weiß noch was ich dachte als ich sie beobachtete, als sie damit beschäftigt war ihre Kinder liebevoll zum leiseren Spielen aufforderte. Wir waren in einer Versammlung, ich weiß gar nicht mehr wo und wann, aber ich dachte mir, "Was für eine Frau!" Ich war damals Mutter von 4 Kindern, schwanger mit Nummer 5 und äußerst beeindruckt.

Beeindruckt, weil sie so anders war. Nun ja, als Amerikanerin in den Niederlanden ist man anders, genauso wie ich als Österreicherin, aber sie war ganz anders. Es machte ihr nichts aus was andere von ihr dachten. Wenn andere um sie herum manchmal die Nase rümpften, sie zog ihr Ding durch. Sei es zum Beispiel ihre vielen Kinder, die manchmal mit laufender Nase, barfuss aber strahlend herumliefen. Jenn brauchte kein besonderes Accessoire, denn ihr Lächeln reichte und die besondere Liebe die man um sie spürte. Sie war immer zur Stelle und hatte immer einen guten Rat, wenn man danach fragte und eine herzliche Umarmung.

Jenn, eine Frau mit großem Glauben an Jesus Christus, dieser Glaube der immer vorhanden war der sie, ihren Mann und ihre Familie gestärkt hat und Alle die mit ihr in Kontakt kamen.

Als sie mir damals erzählte, dass sie Brustkrebs hat konnte ich es nicht glauben. Ich war damals recht geschwächt nach einer meiner Kieferoperationen und den Tränen nahe. Sie war so überzeugt, dass sie es schaffen wird und wie immer hatte sie schon alles recherchiert und somit einen Plan. Einen ganz anderen Plan als die niederländischen Ärzte und um ihren Plan folgen zu können brauchte sie Mut, Geld und Vertrauen in dem Herrn. Ich glaube Jenn, hat nie etwas in ihrem Leben entschieden, ohne im Gebet nachzufragen.

Sie teilte mit mir ihre Liste and Lebensmittel, ätherischen Ölen, empfiel mir Ärzte der alternativen Medizin. Ihre starke positive Art ihren Kampf zu gewinnen ist ein großes Beispiel für mich.

Die Nachricht ihres Todes, hat mir den Füßen unter den Boden weggezogen und tagelang konnte ich an nichts anderes denken als an Jenn, ihre 7 Kinder und an ihren Mann.

Ich hatte noch Ende 2018 für mich entschieden 2019 meinen Zuckerverbrauch auf 0 zu reduzieren. Das ich alles dafür tun werde meinen Entzündungen die Nahrungsgrundlage zu nehmen. Das ich meinem Kiefer die 16 bis 18 Stunden Ruhe einräume und mich an alles halte was mir, so hoffe ich, ein langes Leben beschert und vor allem meine Schmerzen verringert.

So gerne hätte ich ihr davon erzählt, doch ich wusste dass sie eine Operation hinter sich und eine vor sich und dachte, wenn es ihr besser geht dann....

Dazu ist es nicht mehr gekommen und ich vermisse ihren Rat!

Sie hat es nicht geschafft. 

Ich war all die Zeit so davon überzeugt, wenn einer es schafft, dann Jenn. Sie muss es schaffen! Sie hat 7 Kinder, sie kann doch nicht gehen, doch sie ist gegangen. In einer Januarnacht hat der Herr sie zu sich geholt. 

Jenn, wir wollten doch noch Apfelstrudel zusammen essen! 

Sie ist bestimmt einer der ganz fleißigen Engel und wenn ich für ihre Familie bete, dann spür ich, dass alles gut ist, so wie es ist, auch wenn es viel zu Schrecklich ist.

Oh Jenn, I miss you! 

Till we meet again, thanks Jenn


Montag, 11. Februar 2019

Irma's Vermächtnis......


….. wir sind umgezogen!

Seit zwei Wochen leben wir nun schon in unserem "neuem" Zuhause in Barsingerhorn. Eigentlich hausen wir im Moment und wohnen noch nicht, denn ohne den Luxus einer Küche ist es noch nicht so gemütlich und das Abendessen kommt mit sehr viel Raffinesse und Einfachheit auf den Tisch.

Letzte Nacht hat mich ein Gedanke stundenlang wachgehalten und dieser Gedanke war Irma. Immer und immer wieder schoss mir der Name meiner Schwiegermutter durch den Kopf und es hörte nicht auf.

Wären da nicht die zwei Bettgenossen neben mir gewesen, hätte ich sofort einiges im Internet erforscht, doch der Weg aus dem warmen Bett ins kalte Wohnzimmer war mir dann doch zu weit und mein Körper viel zu müde für die nächtliche Wanderung.

Meine Schwiegermutter hatte einen ganz besonderen Wohnstil und im Moment landet so einiges ihrer Schätzen auf dem Müllplatz in einer kleinen Abteilung die Kringloop ( im Kreislauf) heißt, was soviel wie Flohmarkt bedeutet, oder Second Hand.

Mein Herz schmerzt beim Aussortieren dieser langverwendeten Gegenstände, doch es muss Platz geschaffen werden. Meneer van Duin hat es eilig unser wohnen, zwischen unzähligen Umzugskartons, zu einem Zuhause mit seinen flinken Händen zu verzaubern.

Da gibt es nur eine Devise - weg ist weg!

Irma's Vermächtnis steht in der Garage, es sind alte Statuen, Kannen, emaillierte Gebrauchsgegenstände, Jugendstilmöbel, handgemachte afrikanische Holzfiguren aus Kenia, Silber, Kupfer und Unmengen von Wasserkrügen die vor 100 Jahre und länger in jedem Zimmer standen und zur Katzenwäsche verwendet wurden.

Irgendetwas muss mir einfallen!

So hab ich schnell zwischen Mitternacht und 2 Uhr einige Kleinigkeiten auf Marktplaats gestellt und bin überrascht über all die kleinen Anfragen die heute morgen angezeigt wurden. Zum Glück haben wir seit Ende letzter Woche Internet.

In wenigen Tagen ist es ein Jahr her, dass Irma sich so ganz ohne Abschied aus diesem Leben geschlichen hat. Ich denke viel an sie und bin dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten ihr Haus zu behalten und nun zu unserem Eigenen machen. 

Der Kreislauf des Lebens





Freitag, 2. November 2018

Zeit........

.........fliegt

Der Sommer ist in einem Wisch verflogen und jetzt sind wir Mitten im Herbst.

Die Sonne lacht durchs Fenster und es scheint recht windig zu sein. 

Ich liebe den Herbst. 

Die Farben, den Regen und auch den Wind, obwohl der hier in den Niederlanden immer zu spüren ist.

Mit dem Bakfiets durch die raschelnden farbenfrohen Blätter zu radeln. Handschuhe und Schal um aber die Sonne kitzelt meine Nasenspitze. Einfach herrlich!

Die sommerlichen Temperaturen waren in diesem Jahr lange zu Gast und ich habe plötzlich ein Gästezimmer, dass immer wieder mal gefüllt wird. Im Moment haben sich aber nur Schulhefte und Bücher am Boden versammelt. Sohn Nr.2 ist im ersten Prüfungstress und ich fiebere mit ihm mit.

Meine Sehnsucht gilt aber meinen zwei Wienerkindern und der schönen Altstadt. In den Parkanlagen der Inneren Stadt war ich viel zu gerne, bin ich doch in diesen Gärten aufgewachsen. Im Herbst auf der Donaulände zu spazieren oder im Prater sich die Beine zu vertreten und die Spielplätze abzuklappern war immer ein schöner Zeitvertreib.

Doch hier ist es auch schön, anders schön! Langsam fühle auch ich mich hier Zuhause in den niedrigen Landen.

In wenigen Wochen werden hier Kisten gepackt und verstaut, immer wieder haben wir Hausbesichtigungen die bis jetzt noch keinen Erfolg gebracht haben. Nein, unser Haus ist noch nicht verkauft ist meine Antwort. Ich sollte mir ein Tonband zu legen. Mit einem kleinen Bewegung des Fingers ist alles gesagt.

Jeden Samstag verbringen wir im Norden Hollands um an unserem neuem Haus mitzuarbeiten. Und das Schöne ist den Herbst im Garten zu sehen. Nächstes Jahr werden wir alle Jahreszeiten in unserem neuem Zuhause erleben. 

Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Heute vor 10 Jahren war Sonntag und ich noch in meiner Altbauwohnung im Servitenviertel. 
Heute vor 10 Jahren, hat die Geschichte van Duin begonnen. 

10 Jahre, nicht zu glauben!